Schlafe, mein Kindlein

von Margarete Schebesch

"Du hast es ihm so beigebracht,
Nun musst du bei ihm bleiben.
Du musst bei ihm sein, jede Nacht,
Und ihm die Zeit vertreiben."

So sprach die gute Freundin laut
Und rang mit ihren Händen.
"Du hast dein Unglück selbst gebaut
Und musst es selbst beenden!

Leg ihn doch einfach wach ins Bett,
Dann geh und lass ihn schreien!
Ihr seid zu ihm doch viel zu nett,
Das bringt euch nichts, euch dreien!

Gib ihm drei Tage, du wirst sehn,
Dann schläft er viele Stunden,
Er wird um acht ins Bettchen gehn,
Das Schreien ist verschwunden.

So lernt er schlafen, lies das Buch,
Es hilft bei allen Kindern,
Und niemand stört mehr den Besuch,
Nichts wird dich mehr behindern."

Ich brachte sie dann schnell zur Tür
Und sagte artig "Danke",
Und meinen Teil, den dacht' ich mir,
Ich wollte kein Gezanke.

Dann schaute ich mein Baby an
Und küsste seine Wangen:
Dass dieses Kind schon schlafen kann,
Das ist ihr wohl entgangen...

Und stillend schlief mein Baby ein
An meiner Brust, der warmen,
Und lächelte im Sternenschein
Vor Glück in meinen Armen.

Denn ich kann, wenn es bei mir ist
Ihm all die Liebe geben,
Die meine Freundin so vermisst,
In ihrem ganzen Leben.

Dezember 2008